Freitag, 30. Juli 2010

Urlaub

Urlaub ist eine feine Sache.
Zuerst hatte ich überlegt, ob ich mit der Aktion „Pfandflaschensammeln für Ameland“ in der Innenstadt niederlasse und mir so meine Reise finanzieren sollte. Doch weil der beliebteste Bettelort direkt neben der Außenstelle des Kinderschutzbundes liegt, befürchtete ich nach meiner Charity-Aktion einen Charité-Aufenthalt. Der Trauertourismus boomt, aber Ferien in einem Tunnel sind nicht so meine Sache. Wobei Trauernde und Bettler sich recht ähnlich sind. Viele innenstädtische Bettler haben auf ihren selbstgekrakelten Schildern kreative Sprüche. „Habe Diabetes“ oder „Leide an Hartz IV“. Neulich hingegen traf ich einen Zeitgenossen, der seinen Pappkarton nur durch ein schlichtes „Bin am Betteln“ verziert hatte. Aufgrund der sitzenden Haltung in der Fußgängerzone und des Hundenapfes mit Kleingeld neben ihm hätten das die Passanten sicher nie gemerkt. Ich fahre ja auch nicht mit dem Bus und hänge mir dabei ein Schild mit „Bin am Busfahren“ um den Hals. Trauernde schon, die schreiben auf ihre Transparente auch „Wir trauern“, weil man sie sonst mit einer Gothicparty verwechseln könnte. Auf einem großen Plakat in Duisburg steht derzeit auch geschrieben: „Hier starben im Interesse der konsum- und profitorientierten Spaßindustrie 20 Menschen“ Darunter befinden sich unzählige Funzelkerzen, 2-Cent-Teelichter, Plüschteddybären aus dem Kirmesautomat und Plastikrosen vom Schießstand daneben – kurz: billiger Ramsch, produziert von der „konsum- und profitorientierten Spaßindustrie“. Diese sensationsgeilen und verblödeten Kadavertouris sollte man auch mal zerquetschen. Hoffentlich kommt es bei der Trauerfeier zur Massenpanik und Merkel und Wulff sind mitten drin.
Aber was rege ich mich auf, ich bin von allem weit weg. Ich sitze im wunderschönen Thailand, lagere mein gebrochenes Bein und schaue über Satellit RTL oder schlechte Pornos, was intellektuell auf das Gleiche hinausläuft. Ich Idiot musste bei dem billigsten All-Inclusive-Angebot zuschlagen. Hier angekommen stellte ich enttäuscht fest, dass Regenzeit herrscht und auch die Rothemden keine Party mehr feiern. Die Thaifrauen vögel ich aus Angst vor Krankheiten nicht, da müssen die schlechten Pornos reichen. Wenigstens ist das Bier billig und Post von der Arbeitsagentur bekomme ich hier auch nicht.

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